Trotz eines für die europäische Energiewirtschaft schwierigen Jahres 2007 hat die E.ON Ruhrgas International AG bewiesen, dass innerhalb ihres Beteiligungsportfolios ein großes Potenzial für internes Wachstum vorhanden ist.
Neben dem deutschen Markt verantwortete die ERI in 14 weiteren europäischen Ländern - heute sind es 15 - die Akquisitionen, Restrukturierung, Integration und Weiterentwicklung von Beteiligungsgesellschaften in den Bereichen Mid- und Downstream. Die ERI als 100-prozentige Tochtergesellschaft der E.ON Ruhrgas AG schloss das Geschäftsjahr 2007 mit einem Überschuss von 439 Mio Euro nach Steuern ab. Das Management ist zuversichtlich, die Ergebnisse ihrer Beteiligungsgesellschaften noch weiter optimieren zu können, auch vor dem Hintergrund noch nicht vollständig abgeschlossener Umstrukturierungsprozesse. Dabei war das von der EU für die überwiegende Zahl der Mitgliedstaaten geforderte und zum 1. Juli 2007 zu vollziehende Legal Unbundling nur eine von vielen Herausforderungen in weitestgehend regulierten Energiemärkten.
Wie der Vorstandsvorsitzende der E.ON Ruhrgas AG, Dr. Bernhard Reutersberg, anlässlich der Bilanzpressekonferenz erklärte, liefert die ERI wachsende Ergebnisbeiträge ab. 2007 trug der ERI-Teilkonzern mit 528 Mio Euro zum Adjusted EBIT der E.ON Ruhrgas bei.
Im Baltikum stagnierte 2007 der Absatz oder ging teilweise zurück, was auf milde Temperaturen im ersten und vierten Quartal sowie stark gestiegenen Gasbeschaffungskosten zurückzuführen ist. Durch Kostenoptimierung des Beschaffungsportfolios sowie die für das Unternehmen günstige Entwicklung des Dollarkurses im zweiten Halbjahr 2007 konnten die Unternehmen, an denen die ERI Anteile hält, dennoch den Ertrag des Vorjahres weiter ausbauen.
So kompensierte die litauische Lietuvos Dujos durch erfolgreiche Neukundenakquisition und den Ausbau des Gaseinsatzes in der Stromerzeugung die witterungsbedingten Absatzeinbußen.
Die Eesti Gaas konnte durch Zuwächse bei den Weiterverteilerkunden und die Einführung von neuen Preismechanismen in den Verträgen mit Industriekunden den Jahresüberschuss 2007 nahezu verdoppeln.
Die Latvijas Gāze profitierte vor allem von der Nutzung ihres Speichers Inčukalns durch die Realisierung von zeitlichen Preis-Arbitrage- Möglichkeiten sowie durch die Dritt-Vermarktung von Speicherkapazitäten. Ebenso wurde die Kooperation mit den Unternehmen des Düsseldorfer E.ON-Konzerns weiter intensiviert. U. a. fand ein Erfahrungsaustausch mit E.ON edis und E.ON Hanse zu Fragen der Gasdistribution sowie ein Workshop mit Speicher-Experten der E.ON Ruhrgas statt.
Seit dem auch in Rumänien erfolgreich durchgeführten Unbundling, das zur Abspaltung der Handels- von der Vertriebsgesellschaft geführt hat, firmiert die Distributionsgesellschaft unter E.ON Gaz Distribuţie S.A. (EGD) und die Handelsgesellschaft unter E.ON Gaz România S.A. (EGR).
Die EGD ist inzwischen für die Gasdistribution im nördlichen Teil Rumäniens zuständig, während die EGR für den Gaseinkauf und -vertrieb verantwortlich ist. Mit einem rund 18.100 km langen Leitungsnetz wurden 2007 rund 1,3 Mio Kunden mit 35,5 Mrd kWh (Vorjahr 39,1 Mrd kWh) Erdgas versorgt. Davon entfielen 13,1 Mrd kWh auf Haushalte, 16,1 Mrd kWh auf Nicht-Haushalte und 6,3 Mrd kWh auf die reine Distributionstätigkeit. Grundsätzlich hat der Wettbewerb auf dem rumänischen Gasmarkt spürbar zugenommen.
In der Slowakei ist die ERI an der Nafta, einem Betreiber von Untertagespeichern sowie Explorations- und Produktions-Aktivitäten, und der Slovenský plynárenský priemysel (SPP), dem führenden Gasversorger des Landes, beteiligt. Die SPP hatte schon 2006 die rechtliche Abtrennung des Transit- und des Distributionsgeschäfts umgesetzt.
Um die Unabhängigkeit zwischen der Gesellschaft der SPP-Gruppe noch deutlicher zu machen, wurde darüber hinaus die für den Transit zuständige Einheit umfirmiert: Seit 1. Januar 2008 heißt die ehemalige SPP preprava a.s. heute eustream a.s.. Operativ musste sich die SPP in einem schwierigen Marktumfeld behaupten. Im internationalen Transitgeschäft ergaben sich besondere Belastungen aufgrund des schwachen US-Dollar. Außerdem wurde das slowakische Vertriebsgeschäft durch den warmen Winter belastet.
2006 hat die ERI das bereits rechtlich getrennte Gashandels- und Speichergeschäft von der ungarischen MOL zu 100 Prozent übernommen. Die Gesellschaften wurden in E.ON Földgáz Trade (EFT) und E.ON Földgáz Storage (EFS) umbenannt. Letztere betreibt in Ungarn fünf Untertage-Gaspeicher, deren Arbeitsgaskapazität 2007 von 3,5 Mrd m³ auf 3,8 Mrd m³ erhöht wurde. Außerdem konnte die tägliche Ausspeicherspitzenleistung von 47,5 Mio m³ auf 50,5 Mio m³ gesteigert werden. Die Gesellschaft hat die Zahl ihrer Kunden im Laufe des vergangenen Jahres mehr als verdoppelt.
Die Tradinggesellschaft ist der größte Gashändler Ungarns und erzielte 2007 ein Absatzvolumen von 114,2 Mrd kWh. Das Unternehmen belieferte auf dem regulierten Markt zwölf Distributionsgesellschaften sowie Industriekunden und Kraftwerke. Mit einem Umsatz von rund 3 Mrd Euro ist die EFT das drittgrößte Unternehmen Ungarns.
In den nordischen Ländern fällt der Erdgasanteil am Energieverbrauch relativ gering aus. Die Gasnor, an der die ERI 14 Prozent hält, versorgte 2007 gut 200 Kunden mit 1,9 Mrd kWh. Darüber hinaus betreibt das Unternehmen Produktionsstätten für LNG, das per Tkw und Tanker ausgeliefert wird.
In Schweden ist die ERI an der Swedegas beteiligt, das Transportunternehmen firmierte bis Ende 2006 als Nova Naturgas und generiert den wesentlichen Teil seiner Umsätze mit dem Betrieb des 370 km langen Netzes.
Die finnische Gasum besetzt in den Bereichen Erdgasimport, -transport und -großhandel eine Schlüsselstellung auf dem nationalen Markt. Sie verfügt über ein Pipelinenetz von 1.100 km, das bis 2012 weiter ausgebaut werden soll. An der Gasum ist die ERI mit 20 Prozent beteiligt.
Finnland ist mit einem Volumen von 45 Mrd kWh der größte nordische Gasmarkt und verfolgt das Ziel einer Leitungsanbindung an das Baltikum, um dadurch einen Zugang zum Speicher der Latvijas Gāze in Lettland zu realisieren.
Neben den vorgenannten Beteiligungsgesellschaften verfügt die E.ON Ruhrgas International über weitere Beteiligungen in Litauen, Luxemburg, Polen, Rumänien, der Schweiz, Slowenien, Tschechien und Ungarn.
Die deutschen Beteiligungen der ERI erstrecken sich auf die European Energy Exchange AG (0,26 %), die Erdgasversorgungsgesellschaft Thüringen-Sachsen mbH (50 %), die Ferngas Nordbayern mbH (53,1 %), die Gas-Union GmbH (25,93 %) und die Saar Ferngas AG (20 %).
Quelle: Europe Oil Telegram (09.06.2008)